Von Kleidern und Fröschen ♥

Heute gibt es mal einen Repost aus 2014, der nun genau 2 Jahre her ist. Wir reisen zurück in eine Zeit meines Lebens, in der wohl jede Frau Kopfkarussell fährt: Die Brautkleidsuche...


Ein Tag im Februar. Der Wecker klingelt. Ein kurzer Blick auf die Uhrzeit. 04.40 Uhr. Verwirrung. Es ist Samstag und selbst Montag oder Dienstag oder Mittwoch würde ich niemaaaaals so früh….und dann fiel der Groschen bzw. die Krone. Die dänische Krone. Kopenhagen! Brautkleidsuche. Heute. Yeah.

 

Meine Freundinnen Kati und Sandra begleiteten mich auf die 6 Uhr Fähre, wo wir in aller Ruhe deutsch-dänische Köstlichkeiten und Unmengen von Kaffee verschlangen.

8.00 Uhr Ankunft in Gedser, 09.30 Uhr Ankunft im Fields – ein riesiges Shopping Center am Stadtrand von Kopenhagen (welches nur leider erst 10 Uhr öffnet). Noch mehr Kaffee.

 

Nach ein bisschen Shopping fuhren wir in die Innenstadt. Shoppten weiter, aßen Burger und zeigten Sandra ein bisschen was von der Stadt, in der Kati und ich (gefühlt) schon öfter gemeinsam waren als in unseren Wohnzimmern.

 

14 Uhr. Der Termin im Vintage Hochzeitsgeschäft FN92 nahte. Ich verspürte positive Aufregung. Was würde mich in so einem speziellen Geschäft erwarten? Und würde es besser laufen als bisher?

 

 

Was bisher geschah...

 

Ich hatte definitiv mehr Kleider an, als man Frösche küssen muss, bis der Prinz kommt. Und nach einigen Versuchen dachte ich, der Kleiderprinz würde niemals kommen.

 

Schon nach dem ersten Besuch in einem Brautmodenladen in Chemnitz wussten wir, ich gehöre in die Kategorie “kompliziert”. Zumindest war ziemlich schnell klar, dass mein Kleiderprinz konservative Eltern haben würde.

 

Nämlich solche, die es absolut nicht akzeptieren, wenn der Kleiderprinz sich eine Braut außerhalb seines Standes sucht. Wäre ich also reich und vermögend und nicht bei Verstand – hätte ich bereits Anfang Januar meinen Kleiderprinzen gefunden. In Leipzig. Er war schön, wunderschön. Wirkte er auf den ersten Blick noch wie ein weiterer, wenn auch außergewöhnlicher Frosch – verwandelte er sich beim ersten Kuss sofort in meinen Prinzen…die Mitgift für diese Ehe war deutlich 4-stellig und so entschieden sich die seltene Vernunft, die verbleibende Zeit und das fehlende Geld gegen ihn. Wir waren traurig. Ich suchte weiter.

 

Kati und Sandra entführten mich wenig später auf die Hochzeitsmesse. 3 Frösche, 3 Küsse, 1 Kleiderprinz. Schon wieder konservative Eltern. Sowas von 4-stellig.

 

Ich suchte weiter. In Schwerin. Dieses mal war es andersrum. Es hätte eine arrangierte Zweckehe werden können. Eine Win Win Situation. Der vermeintliche Kleiderprinz war vermutlich schon etwas in die Jahre gekommen und seine Eltern waren wegen diesem Umstand überaus tolerant. Für fast ein Zehntel der nötigen Mitgift der beiden anderen Prinzen, hätte ich ihn sofort mitnehmen können. Aber selbst nach zwei bemühten Küssen, blieb der Frosch ein Frosch. Ich suchte weiter. In Kopenhagen.

 

Mit Betreten des Ladens flüsterte Sandra mir zu “Ich glaube, hier bist du richtig”.

 

Die ungezwungene Atmosphäre und die Selbstbedienungsphilosophie des Vintage Geschäftes FN92 waren genauso befremdend wie angenehm. Hier schlummerten Schätze. Hunderte. Alle aus einer vergangenen Zeit (von 1920 bis 1990). Also stöberten wir. Und ich küsste gefühlt 100 (teils faltige) Frösche. Es muss wohl Frosch Nummer 99 gewesen sein, den ich ein zweites mal küssen wollte und der sich plötzlich immer mehr in einen Prinzen verwandelte...

 

Er war zweifelsfrei etwas Besonderes. So zart und bescheiden. So bodenständig und doch so einzigartig und charakterstark. Mein Prinz war ein Kind der Hippiezeit - und ich somit nicht seine erste Braut. Aber er gab mir das Gefühl, als hätte er nur auf mich gewartet...
Und so wurde aus dem Kleiderprinzen mein Brautkleid...oder doch nicht?

Aus der anfänglichen Entschlossenheit und Überzeugung wurde plötzlich Panik. Februar. Ich hab noch soooo viel Zeit. Ich kann jetzt noch kein Kleid kaufen. Oder doch?

 

Ich verließ das Geschäft. Kopenhagen. Dänemark. Ohne Kleid.

 

 

Wieder zu Hause, sagte Kati beim Abschied “Schlaf eine Nacht drüber – du wirst ja sehen, woran du denkst wenn du aufwachst.” Ich wachte auf.


Und dachte an meinen Kleiderprinzen aus Kopenhagen. Daran, dass er schon einmal eine Braut sehr glücklich gemacht hat. Daran, dass ich ihn mir wirklich leisten kann. Daran, dass ich ihn mag ♥


Und zwei Jahre später?

...bin ich immer noch sehr glücklich mit meiner Wahl und bedaure nichts! Höchstens, dass man nur einmal heiraten kann. Obwohl... ;-)

Tante Trudi

#kopfkarussel

#allenbräutenvielglückbeidersuche

Kommentar schreiben

Kommentare: 0