Zwischen Fernweh, Vorfreude und Zweifeln...

Ich mag nicht mehr! Der lange Winter steckt mir in den Knochen. Knochen. Ja, Mama sein ist ein Knochenjob! Wohl der schönste Job auf der Welt aber eben auch einer ohne Urlaubsanspruch.

 

Da ich meine Turnerkarriere beendet habe (bevor sie überhaupt begann)war ich ziemlich sicher, dass mir die Fähigkeit, einen eleganten Spagat hinzulegen mittlerweile abhanden gekommen sein müsste. Aber: Ich kann es noch. Zumindest im Geiste. Applaus.

 Gestern zum Beispiel hatte ich...

...ein krankes Kind. Einen kranken Mann. Ein Geburtstagskind. Geburtstagsgäste. Eine unter Quarantäne gestellte Wohnung nach einem Bombenabwurf. Hunger. Einen wichtigen Kundentermin. Und die Frage:

Wie machen??? 

 

Für einen kurzen Moment schien die Lösung "Buddel dich ein und komm erst morgen wieder raus. Oder nächste Woche. Oder flieg weit weg." großes Potential zu haben. Aber da der Boden in meinem Garten gefroren, der Spaten verschwunden und der Privatjet nicht vollgetankt war, lehnte ich diese Optionen ab und stellte mich dem 1.März.
(Schließlich hatte ich 7 Jahre zuvor auch einen anstrengenden Tag und das Ergebnis ist echt ganz gut geworden ;-) 


Aus dem anfänglichen Chaos wurde ein wunderschöner Tag, an dessen Ende ich so gut schlief wie schon lange nicht mehr... 


Als ich heute morgen aufwachte hatte ich keinen Kater. Aber Fernweh.

Ich bin ein Reisejunkie. Ein Surfmädchen. Nicht die Sorte, bei der alle mit offenen Mündern am Strand stehen und gemeinsam mit mir die Wellen feiern, die ich reite. (Auch wenn ich davon heimlich träume.) Nein! Aber ich bin definitiv die Sorte, die ihren Frieden auf dem Wasser findet. Oh Gott - und ich vermisse diesen Frieden.

Ich vermisse Sri Lanka und Portugal und die Wellen dort. Das gute Essen und die Zeit mit Freunden. Ich vermisse das Gefühl, weit weg zu sein. Und im Moment zu leben. Eins zu werden mit dem Meer und der Natur. So sehr, dass es weh tut. Fernweh eben.

 

Ich denke an Peru. Und dann fällt sie mir plötzlich in den Schoß. Die Vorfreude. Und sie hat ihre Freundin mitgebracht: Die Aufregung.

 

»Wir haben es wirklich getan. Kitty und ich haben einen Flug gebucht.«

 

Ich fliege nach Peru. In 58 Tagen. Mit meiner Herzdame. Zu meinem Bruder, meinem Kompass. Ohne unsere Männer. Ohne unsere Kinder.


Und dann hör ich eine leise Stimme in meinem Kopf: Darf ich das?

Darf ich diese Gedanken und Gefühle haben, obwohl ich Mama bin? 

 

Es ist nicht meine Stimme. Eher sowas wie mein Gewissen. Und auch das Gewissen hat Freunde mitgebracht. Einer heißt Herr Zweifel. 

Ich bin froh, dass er da ist.

Er liefert sich eine heftige aber konstruktive Debatte mit Frau Vorfreude. Es gibt keinen Gewinner, keinen Verlierer. Sie haben sich gütlich geeinigt. Beide werden bleiben.

 

Ich nicht. Ich fliege nach Peru!

 

 

»Mach Sachen. Mach Sachen an die du dich erinnerst!«

 

Tante Trudi

#kopfkarussel
#rottygoesperu

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Kommentare: 1
  • #1

    Formundfarbe (Donnerstag, 03 März 2016 10:02)

    Liebe Romy, du weißt es wahrscheinlich längst,aber du sprichst mir aus dem Herzen und hast die wirren Gedanken und Gefühle, die mich seit der Idee dieser Reise begleiten so schön und treffend formuliert.Und du bist zu dem selben Ergebnis gekommen.Ich freue mich auf unsere Reise.