14 Tage meckerfreie Zone - 14 Tipps

Das sind wir. Vier. Chaoten. 

 

Manchmal geht es drunter und drüber und wie ihr bereits wisst, wird auch mal gemeckert. 

 

Leider viel zu oft bzw. viel zu automatisiert. So als würde eine Bandansage anspringen. Eine wirklich miese Bandansage.

 

Eine gereizte Mutter hat genervte Kinder. Nervende Kinder haben eine gereizte Mutter. Tadaaa: Teufelskreis.

 

Ich habe mich gefragt, wie man diesen durchbricht und einen Selbstversuch gestartet. 14 Tage meckerfreie Zone.

 

Was ich dabei gelernt habe und warum es ganz ohne meckern einfach nicht geht lest ihr hier...

Ich habe in dieser Zeit viel über mich und meine Verhaltensmuster gelernt. Der Alltag ist mein größter Feind - denn er bedeutet Stress. Stress macht nervös und reizbar. Stress erschuf das Muttermonster. 

Wie man dieses dreiäugige, verwarzte Krallentier in Leggings wieder vertreibt, habe ich für euch in 14 Schritten beschrieben: 

14 Schritte zur meckerfreien Zone

  1. Verständnis
    Ja, ja - ich weiß: ein alter Hut. Aber dummerweise die Basis. Das bedeutet unter Umständen, die Perspektive zu verändern. Betrachten wir die Welt einmal aus den Augen unserer Kinder und fragen uns, was wir ihnen wirklich abverlangen können und was nicht. Überprüfen wir doch einfach regelmäßig die Länge unseres Geduldsfaden: Ist er noch lang genug?

  2. Transparenz
    Vor allem in Zeitnot neigen wir Mamas dazu, unseren Kindern Anweisungen hinterher zu schmeißen, ohne diese kurz zu erklären. Ich habe gelernt, dass es für meine Kinder wichtig ist, den Grund zu kennen. »Räum dein Zimmer auf.« hinterlässt meist nur genervte Gesichter. »Nils kommt gleich zum Spielen. Räum doch bitte noch dein Zimmer auf, dann habt ihr später mehr Platz zum Spielen« funktioniert bei uns viel besser. 

    Fragt dein Kind nach dem Warum, tu dir selbst einen Gefallen und antworte niemals mit: »Weil ich es sage.« Das ist das blödeste Argument im Universum - weil es nämlich keins ist.

  3. Fokus
    Multitasking ist nicht mein Freund. Nein, gar nicht. Denn es verbreitet innere Unruhe. Ja, es gibt eine Menge Dinge, die wir als Mütter zeitgleich erledigen müss(t)en. Und dann gibt es da ja auch noch die übliche Verlockung: Facebook, Instagram & Co. Das führt dazu, dass ich manchmal nur halbherzig bei meinen Kindern bin. Ich hasse das. 
    Merke: Wenn ich nur halb bei meinen Kindern bin, sind meine Kinder auch nur halb bei mir. Es ist nicht leicht sich gegen den hungrigen Schlund des Alltagsmonsters zu wehren. Wie eine Krake kreist das Ding über meinem Kopf und zeigt mir vorwurfsvoll ihre 8 Arme mit den 8 Dingen, die ich eigentlich jetzt gerade erledigen müsste: Die Wäsche, das Abendessen, den Einkauf, den Staubsauger (keine Ahnung was sie mir damit sagen will), den üblichen Papierkram, unbeantwortete Nachrichten, verkümmerte Hobbys und vernachlässigte Ehemänner.
    Ich lass die Krake einfach stehen und knall ihr die Tür vor der Nase zu. Die Kinderzimmertür. Von innen!

    Tipp: Wer unsicher ist, ob er zu viel am Smartphone hängt, dem hilft die App "Offtime" sich voll und ganz auf die schönste Sache der Welt zu konzentrieren.

  4. Regeln schaffen Räume
    Familienregeln sind hilfreich. Denn Kinder haben gern einen Kompass dabei. Hierbei ist es wichtig, den Kindern nur wirklich sinnvolle und nachvollziehbare Regeln zu vermitteln. Setzt euch an einen Tisch und sammelt 10 Familienregeln - gemeinsam. Überlegt euch im Vorfeld, was euch wirklich wichtig ist und lasst Raum für die Ideen und Wünsche eurer Kinder. Am Ende »unterschreiben« bitte ALLE - die Regeln werden sichtbar aufgehangen.

    Was das bringt? Über diese Dinge verhandeln wir nun nicht mehr jedes mal auf's Neue und die Mitbestimmung meiner Kinder lässt die Akzeptanz um gefühlte 102% steigen. 
    Zwar habe ich jetzt jeden Freitag die Pflicht Pizza oder Burger zu servieren aber dafür muss alles probiert werden, was auf den Tisch oder die Pizza kommt. Und ihr erinnert euch doch sicher noch an die nervige Krake alias Calamari...Muahhh ;-)

  5. Rituale verbinden
    Feste Zeiten, feste Rituale KÖNNEN helfen. Hierbei ist es ähnlich wie bei den Regeln. Können sich Kinder auf einen festen Rhythmus verlassen, sind sie nicht jedes mal von ihren Pflichten oder dem nächsten Punkt im Tagesablauf überrascht. Das erhöht die Akzeptanz und kann selbst unbeliebte Dinge zu einer Selbstverständlichkeit werden lassen. Wir haben hier einen Stundenplan erarbeitet (gemeinsam) der ganz grob die Reihenfolge des Nachmittages für jeden Wochentag festlegt. Wir haben genug Freiräume gelassen, da wir eigentlich ziemliche Normaden sind aber ich beobachte, wie es meinen Kindern Sicherheit gibt. So kommt es seltener zu Situationen in denen die Pläne der Kinder von dem abweichen, was jetzt an der Reihe ist. (Hausaufgaben machen, Schlafanzug anziehen etc.)
    Meckern? Überfällig. So bleibt mehr Zeit zum Lesen und Spielen. Und das wiederum macht glücklich. Und zwar alle.
  6. Konsequenz & Verlässlichkeit
    Regeln und Rituale - gut und schön. Aber nur, wenn sie konsequent eingehalten werden. Wenn ihr den Kindern einen Kompass in die Hand gebt, muss er auch nach Norden zeigen - immer. Deshalb ist es auch so wichtig, sich nicht in unnötigen Regeln zu verlieren. Das bedeutet im ersten Schritt, das wir Eltern als gutes Vorbild unsere Versprechen halten, Regeln befolgen - und den Kindern dabei helfen, das gleiche zu tun. Keine falschen Versprechungen, sonst verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit. Der Schlendrian ist schnell eingezogen - wie wir wissen, am Liebsten ins Kinderzimmer.

  7. Geduld & Ruhe - ein Mantra muss her
    Das ist nicht immer leicht. Manchmal stehe ich so unter Strom, dass es mir schwer fällt die nötige Geduld aufzubringen. Aber eigentlich wissen wir: sinnloses Meckern im Affekt ist nicht nur unfair, sondern auch sinnlos. Machen wir unsere Kinder nicht kleiner, sondern größer. Ein ruhiges Gespräch auf Augenhöhe wirkt Wunder. UND ganz wichtig: wer spürt, dass ihm gleich Popey-getreu der Rauch aus den Ohren steigt, der darf die Situation ruhig mal kurz verlassen: »Puh, Mama ist gerade ziemlich sauer - ich geh jetzt mal kurz raus und wenn ich wieder komme, reden wir darüber wie wir das Problem lösen können.« In der kurzen Verschnaufpause erinnern wir uns an unser ganz eigenes Mama-Mantra* und atmen durch.

    Es klingt albern aber es hilft sich ein paar Antworten und Reaktionen zurecht zu legen, die man in heiklen Situationen auspackt... 

    *Mama-Mantra: Der Kern eurer Erziehung, die Einstellung die ihr nie vergessen wollt, z.B. »Es ist nur eine Phase« oder »Ich bin die Mutter, die ich selbst hatte / gern gehabt hätte.« oder »Sage nichts, was dir später Leid tut.«

  8. Verantwortung abgeben & Vertrauen
    Gerade morgens musste ich meinen Sohn oft im Minutentakt an seine Aufgaben erinnern. »Zieh dich jetzt an. Zieh dich bitte an. Len, du hast nicht mehr viel Zeit - anziehen.«
    Das nervt. Alle! Also haben wir eine (Bilder)Liste aller Aufgaben gemacht, die morgens erledigt werden müssen. Dazu gibt es eine digitale Eieruhr App (Sand Timer) welche ihm sichtbar aufgestellt wird und abläuft, wenn es Zeit für's Frühstück ist. Er teilt sich seine Aufgaben (Anziehen, Zähneputzen...) nun allein ein und hat dank der visuellen Darstellung der Zeit, ein gutes Gefühl dafür bekommen. Ganz ohne ständiges Erinnern. Ein Segen für den Start in den Tag.

  9. Herz ist Trumpf (Berührungen wirken Wunder)
    Eine Regelidee meiner Kinder lautete: Es wird stets mehr gekuschelt als aufgeräumt. Wie Recht sie haben!
    Es beruhigt den Herzschlag, lässt die Krake aus dem Bewusstsein verschwinden und verbindet. Bestes Mittel gegen's Meckern. Und auch bei ernsten Gesprächen ist der Zugang viel leichter, wenn man dabei eine Hand hält oder als Kissen einspringt.

  10. Ohne Worte
    Haha. Mein Joker! Statt immer mit den selben Floskeln um die Ecke zu kommen, haben wir uns gemeinsam drei Handzeichen (z.B. Time-out) ausgedacht. Das übermittelt wichtige Botschaften, ohne das übliche Gemecker. Alternativ kann man sich auch ein »Wutglöckchen« anschaffen - Kommunikation ist wichtig aber manchmal braucht es keine Worte, um zu sagen: So nicht.

  11. Nimm dir Zeit
    Fast jede Mama kennt ihn, den Instagram Spruch:
    »Unser Alltag ist ihre Kindheit.«
    Machen wir uns nichts vor: Glückliche Kinder, sind (meist) pflegeleichte Kinder. Und je nach Alter sind sie so einfach zu beglücken. Rebellion ist oft ein Schrei nach Liebe, der durch mehr Zeit und Aufmerksamkeit ganz schnell wieder verstummt. 

    Habt ihr die Pizza Calamari aus Schritt 3&4 schon verputzt? Super dann ist Schritt 11 ein Klacks.

  12. Sei gut zu Dir selbst
    Eine Familie ist nur so glücklich, wie jedes einzelne Mitglied. Und als Mama vergisst man sich ganz gern mal selbst. (Und den Ehemann.) Liebe dich selbst! Sei gut zu dir. (Und zu ihm). Nur eine glückliche Mutter, ist eine gute Mutter. Manchmal sind wir so auf unsere Welt fixiert, dass wir Kleinigkeiten aufpusten. Später merken wir erst wie lächerlich wir uns benehmen und wie klein unsere Sorgen doch eigentlich sind. 
    Also: Yoga, Joggen, Freunde, Schlafen (mein Favorit), Lesen, Bingo - was immer euch Spaß macht oder euch ein gutes Gefühl gibt, macht es - und zwar oft. 

    Ganz wichtig: Stell sicher, dass du NIE unterzuckert bist. Hunger macht böse - die Diva lässt grüßen...

  13. Lachen ist gesund
    Gemeinsam lachen - auch über Fehler ist etwas wunderbar befreiendes, verbindet und schafft Vertrauen.
    Überrascht eure Kinder. Brecht aus dem Meckermuster aus! Seid die beste Freundin und nicht nur die besorgte Mama.
    Mantra: Kitzelangriff, statt Meckerattacke.

    Wenn ihr euch ärgert, versucht das ganze Mal als Micky Maus oder Donald Duck zu sagen. Psychologen empfehlen die Dinge über die man sich ärgert, mit übertrieben hoher Stimme auszusprechen und schon sorgt das Gehirn für Gegenfutter: Denn Lachen produziert Glückshormone und die vertreiben den Frust. Versprochen!

  14. Wirklichkeitssinn
    Und dennoch: Wer meckert zeigt Emotionen. Und Emotionen sind wichtig. Trauer, Wut und Angst sollten ebenso eine Plattform bekommen wie Freude und Gelassenheit. Menschen sind keine Maschinen - Mütter schon mal gar nicht. 

    »Sich zu lieben, selbst wenn man sich mal hasst« 

    (Danke Greys Anatomy): Das sollen meine Kinder lernen!

    Wie sagt man so schön: Der Ton macht die Musik...


 

Beim Nicht-Meckern geht es also um Fairness und die Perspektive. Durch mehr Toleranz und weniger Engstirnigkeit verändern wir unsere Verhaltensweisen und Muster. Und über kurz oder lang auch die unserer Kinder. Oft sind unsere Kinder nicht bei der Sache, weil wir es nicht sind. Manchmal hören sie uns nicht, weil wir sie nicht hören.

Baby - it's a wild world. Schaffen wir uns eine Oase der Ruhe...am besten im Herzen!

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Kommentare: 8
  • #1

    Caro (Donnerstag, 25 Februar 2016 12:34)

    Das hast Du ganz toll geschrieben, mein liebes Römchen. Viele wahre Gedanken drin und mindestens zwei, drei Dinge zum Mitnehmen für jede Mama... DANKE :-* <3

  • #2

    Tina (Donnerstag, 25 Februar 2016 13:48)

    Toll geschrieben, das muss ich mir merken für später. Da könnten sich sehr viele Eltern mal ein Beispiel dran nehmen...

  • #3

    Stephan (Donnerstag, 25 Februar 2016 15:01)

    Ein sehr großen Lob

  • #4

    Jochen (Donnerstag, 25 Februar 2016 19:28)

  • #5

    Hansen (Donnerstag, 25 Februar 2016 20:12)

    Ich liebe diese Frau! :)

  • #6

    Mick (Montag, 29 Februar 2016 11:16)

    Hallo,
    ich finde diese Gedanken auch sehr schön und berührend. Vielen Dank dafür. Ich finde es Wahnsinn, was man von seinen Kindern lernen kann. Ich habe selbst 3 Kinder und auch ich habe die Nicht-Meckern-Challenge mitgemacht. Und bin schon am ersten Tag an meine Grenzen gestoßen...Ich denke auch, dass es sehr wichtig ist, dass wir Verständnis füreinander aufbringen und das auch mal zu sagen. Und es ist ok, mal im Stress laut zu werden... Besser ist es natürlich dann seine Kinder um Hilfe zu bitten, sie haben da viele bessere Ideen und sind viel entspannter. Und es ist wichtig Ihnen zu zeigen, dass sie so wie sie sind, toll sind. Auch im Stress. Ohne Wenn und Aber. Und dass es zusammen immer die besten Lösungen gibt.

  • #7

    Tante Trudi (Romy) (Montag, 29 Februar 2016 17:18)

    Vielen Dank für alle eure lieben Kommentare - und ganz überhaupt: das Lesen meiner geistigen Ergüsse! (Auch auf Facebook und Instagram).

  • #8

    Sarah (Samstag, 27 Mai 2017 09:09)

    Habe dich und deinen Blog erst neu entdeckt- und was soll ich sagen? Deine Texte, der Hammer. Unglaublich gut, befreiend und ehrlich! Freu mich auf alles was du über euer neues Familienleben zu 5 berichtest :)